Die Transformationsareale – Arbeitsquartiere von morgen

Keine Stadt der Schweiz besitzt so viele Industriebrachen wie Basel – da ehemalige Güterbahnhöfe, dort leergeräumte Fabrikhallen. Genau genommen sind es 113 Hektare «Chancenland», wie die Areale von lokalen Architekt:innen und Stadtentwickler:innen gerne bezeichnet werden. Da sonstige Freiflächen im 37 km2 kleinen Kanton immer rarer werden, setzt die Stadt grosse Hoffnungen in die künftige Entwicklung dieser sogenannten Transformationsareale. Zahlreiche Architekturvisualisierungen versprechen für die Zukunft neue Lebensräume, die Wohnen, Freizeit, Arbeit und Grünflächen auf attraktive Weise miteinander verbinden.

In die Vergangenheit eintauchen und in die Zukunft blicken

Einige dieser Transformationsareale werden auch an der Industrienacht im Fokus stehen. Zum Beispiel das Klybeckareal, das viele Jahrzehnte Mittelpunkt eines typischen Arbeiterquartiers war. Ausgediente Fabrikhallen und verlassene Labors zeugen noch heute vom einstigen Zentrum der Farbstoffchemie. In den Nachkriegsjahren verlor die Produktion von Farbstoffen zunehmend an Bedeutung, die unliebsamen Gerüche wurden seltener und das Areal verblasste allmählich. Der Arzneimittelmarkt versprach höhere Margen. Zudem erzielte die Forschung grosse Fortschritte in der Biologie und Genetik – Basel entwickelte sich von der Chemie-Stadt zum Life Sciences Cluster. Und das Klybeckareal wird einer neuen Nutzung zugeführt. An der Industrienacht kannst du sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken. Der Verein Industrie- und Migrationsgeschichte der Region Basel und der Verein Frauenstadtrundgang Basel laden dazu ein, mit ihnen in die Geschichte rund um das Klybeckquartier einzutauchen. Einen Ausblick in die Zukunft des Areals bietet KLYBEQ – eine Entwicklung von Swiss Life, die einen Grossteil des Klybeckareals 2019 erworben hat und in einen neuen lebendigen Stadtteil transformieren möchte.

KLYBEQ, WKL 90 Produktionsgebäude
KLYBEQ, WKL 90 Produktionsgebäude, Foto: Simone Meyer

Gundeldinger Feld

Wie aus Ideen und Visionen bereits Wirklichkeit geworden ist, kannst du auf dem Gundeldinger Feld hinter dem Bahnhof SBB erkunden. Wo ehemals die Kamine der Maschinenfabrik Sulzer Burckhardt in die Höhe ragten, entstanden seit 2000 Büros, Werkstätten, Freizeit- und Kulturangebote. Die Kantensprung AG hat die Umnutzung in die Hände genommen und das Areal zu einem lebhaften, vielbesuchten Quartierzentrum entwickelt. Über 70 Mieter:innen beleben heute die sieben Hallen und acht Bauten. An der Industrienacht kannst du beim Rundgang durch das Areal hinter die Kulissen der Betriebe und Unternehmen schauen.

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Gundeldinger Feld, Foto: © Kantensprung AG

Dreispitz

Am südlichen Rand der Stadt liegt der Dreispitz, ein Areal in stetem Wandel: vor 200 Jahren landwirtschaftliche Fläche, dann Waren- und Zollfreilager und in Zukunft ein neues städtisches Quartier. Die Christoph Merian Stiftung ist Eigentümerin im Baurecht und hat grosse Pläne für das Areal. Das lassen zumindest die Entwürfe der beiden Basler Architekten Herzog & de Meuron vermuten. Zurzeit beherbergt das Areal zahlreiche Firmen, auch kleinere Start-ups, aus sehr unterschiedlichen Branchen. Einige davon öffnen ihre Tore auch an der Industrienacht. Zum Beispiel die Regent Lighting, die eine der wenigen zertifizierten Prüflabore für Licht in Europa betreibt. Oder die iart, ein Studio für mediale Architekturen, das in den letzten Jahren mehrere internationale Preise gewann. Zu ihren prominenten Arbeiten in Basel gehören der Lichtfries am Neubau des Kunstmuseums oder die Nullenergie-Medienfassade des neuen Novartis Pavillon «Wunder der Medizin». Weiter mit dabei auf dem Dreispitz sind die Energiespezialist:innen von Etavis, die regionale Kult-Brauerei Birtel und der Verein OFFCUT, der die kreative Wiederverwertung von Gebraucht- und Restmaterialien fördert. Zu guter Letzt laden auch die Smart Regio Basel und die Jobfactory in ihre Räumlichkeiten auf dem Dreispitz-Areal ein. Die einen berichten über die vernetzte Stadt von morgen, die anderen geben Einblick in ihre alltägliche Arbeit im Bereich der Berufsintegration.

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Blick auf das Dreispitz-Areal, Foto: © iart

Arealentwicklungen in Basel-Landschaft

Das Dreispitz-Areal, das je zur Hälfte in den Gemeinden Basel und Münchenstein liegt, lässt es bereits vermuten: Solche Transformationsareale gibt es natürlich auch im Kanton Basel-Landschaft. Sie sind in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht nicht so präsent wie diejenigen der Stadt, aber deshalb nicht minder interessant. Mit uptownBasel entsteht auf dem Schorenareal in Arlesheim zurzeit ein Kompetenzzentrum für die Industrie 4.0. Auf dem Gelände wurden früher Lokomotiven hergestellt, heute wird an der intelligenten Vernetzung von Menschen, Unternehmen und Maschinen gearbeitet. Dass uns dabei Roboter helfen können, darüber berichtet die Firma Actemium vor Ort an der Industrienacht. Zur smarten Welt von morgen gehört in Zeiten der Cyber-Kriminalität auch eine sichere digitale Infrastruktur. Solche IT-Dienstleistungen bietet die Axians an – an der Industrienacht veranstaltet sie einmalige Führungen durch ein offizielles «Cyber Security Operation Center».

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Schorenareal bei Nacht, Foto: ©uptownBasel

Allschwil

Einen regelrechten Boom erlebte das Bachgraben-Areal in Allschwil, an der Grenze zu Frankreich. Innert weniger Jahre entwickelte es sich zu einem bedeutenden Forschungs- und Entwicklungsstandort für die Life Sciences. Neue Gebäude schossen wie Pilze aus dem Boden, darunter auch der neue Hauptsitz des Topeninstituts. Wie sehr das Areal mit der Life Sciences verbunden ist, lässt sich auch an der Industrienacht erleben: Beim Pharma-Zulieferer SKAN wird erklärt, wie Impfstoffe in einem Isolator hergestellt werden. Was es alles braucht, bis ein Medikament zu den Patient:innen kommt, erfährst du bei Johnson & Johnson. Und wie wichtig nachhaltige Verfahren beim Mischen, Rühren und Trennen von Flüssigkeiten sind, davon berichten die Mitarbeitenden von Sulzer Chemtech.

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Das neue Headquarter von SKAN, Foto: © SKAN

Industriegeschichte, Zwischennutzungen und Zukunftsvisionen – auf den Transformationsarealen der Region Basel treffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinander. An der Industrienacht kannst du fünf davon etwas näher unter die Lupe nehmen.

Weiterführende Literatur