Die lange Geschichte des Rohstoffs Holz

Lieferengpässe, deutlich höhere Preise, Schreiner:innen in Kurzarbeit – in den letzten Jahren sorgte der beliebte Rohstoff Holz wiederholt für Schlagzeilen. Und das nicht nur coronabedingt. Durch seine ökologischen Vorteile erlebte der Holzbau eine bemerkenswerte Renaissance. Auf dem amerikanischen und chinesischen Markt ist ein regelrechter Holzbauboom zu beobachten. Und auch in Europa nimmt die Nachfrage zu.

Alleskönner Holz

Werfen wir aber zuerst einen Blick zurück. Holz als Brenn-, Werk- und Baustoff hat eine sehr lange Geschichte. Es gehört zu den ältesten Baumaterialien der Menschheit. Davon zeugen in der Schweiz etwa die Überreste von Pfahlbauten in der Bodenseeregion, deren Entstehung grob auf die Jungsteinzeit zurückdatiert werden kann. Holz blieb auch in der Folge allgegenwärtig. Häuser, Wagen, Schiffe – sie alle bestanden hauptsächlich aus Holz. Selbst die alte Mittlere Brücke in Basel, wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut, wurde je zur Hälfte auf Steinfundament und Holzpfählen errichtet. Dies allerdings nicht, weil man von dieser Konstruktion überzeugt war, sondern aus Not: Der Rhein ist auf der Grossbasler Seite deutlich tiefer und fliesst schneller. Im tiefen Bett des Stroms war es mit den damaligen technischen Mitteln nicht möglich, Steinpfeiler einzuschlagen.

© Voellmy AG
© Voellmy AG

Neue Trends der Holzbearbeitung an der Messe Basel

Erst im Zuge der Industrialisierung, mit der Massenproduktion von Stahl, Metall, Beton und Kunststoff, verlor Holz zumindest für den Gebäudebau an Bedeutung. Aus dem Alltag verschwand der Rohstoff allerdings nie. Das gilt insbesondere für die Messestadt Basel. Die internationale Fachmesse für Holzbearbeitung «Holz» gehört zu den ältesten Fachmessen der Schweiz. Seit 1957 zieht sie alle drei Jahre Tausende Schreiner:innen, Zimmerleute und Vertreter:innen aus Holzhandel und -industrie nach Basel. In der Zwischenzeit ist die Messe stark gewachsen, von anfänglich knapp 100 auf über 350 Aussteller. Präsentiert werden längst nicht mehr allein Maschinen und Materialien, sondern auch die neuesten Innovationen aus der Welt der Möbel und Einrichtungen. Daneben werden herausragende Lernende ausgezeichnet. Und auch den zukunftsweisenden Themen Energie, Nachhaltigkeit und Digitalisierung wird viel Platz eingeräumt.

Kein Alltag ohne Holz

Dank neuer Technologien der Holzbearbeitung blieb der Rohstoff weiterhin attraktiv. Vor allem aber blieb er für viele Wirtschaftszweige eine fundamentale Ressource. Das spiegelt sich auch im Programm der Industrienacht: Die traditionsreiche Schreinerei Voellmy AG nimmt uns mit auf einen Indoor-Waldparcours. Schritt für Schritt zeigt sie, wie das Holz vom Wald in die Schreinerei gelangt und dort mit viel Geschick, Sorgfalt und einem Auge für Ästhetik verarbeitet wird. Auch wenn die digitalen Dienstleistungen an Gewicht gewinnen, Holz ist und bleibt auch ein wichtiger Rohstoff für die Allgemeine Plakatgesellschaft APG|SGA, eine der zehn grössten Unternehmen für Aussenwerbung weltweit. An der Industrienacht erzählen die Mitarbeitenden, was eine nachhaltige Aussenwerbung ausmacht, und beim Plakatier-Wettbewerb gibt es einen Überraschungspreis zu gewinnen. Holz ist zudem ein unerlässlicher Rohstoff für die Birkhäuser+GBC, Komplettanbieterin diverser Druckprodukte. Auf einem Rundgang durch den Druckbetrieb können die Besucher:innen erleben, wie die Firma den traditionellen Druck mit der digitalen Welt verknüpft. Zu guter Letzt spielt der Rohstoff auch bei den anstehenden Arealentwicklungen in Basel eine nicht zu unterschätzende Rolle – zum Beispiel auf dem Klybeckareal der Swiss Life. Beim Transformationsprojekt KLYBEQ stellen Masterstudierende der FHNW Modelle von Gebäuden mit sogenannten Re-Use Bauteilen vor, also natürlichen Baustoffen, zu denen auch Holz gehört. In der Fachwelt gilt dieses Zirkuläre Bauen als grosses Versprechen für die Zukunft. Oder mit anderen Worten: Dem Holzbau gehörte nicht nur die Vergangenheit, ihm gehört auch die Zukunft. Umso wichtiger ist ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource.

© Birkhäuser+GBC AG
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Weiterführende Literatur